Über den Bauwagenplatz Diogenes

Seit über 23 Jahren gibt es nun schon unseren Wagenplatz. Ein Spaziergängerweg durchläuft den Platz von der Ludwigshöhstr. bis zur Heidelbergerstr.

Wie funktioniert der Platz?
Was unsere infrastrukturelle und energetische Versorgung angeht, sind wir (fast) autark. Unsere Stromversorgung basiert überwiegend auf Solarstrom, die wir in Batterien speichern und bei Bedarf nutzen. Zum Kochen nutzen wir Flaschengas. Wir sind an das Wassernetz der Stadt Darmstadt angeschlossen. Unser Abwasser sowie der Müll wird gesammelt und von der örtlichen Abfallentsorgung abgeholt. Zur gemeinschaftlichen Nutzung stehen uns folgende Einrichtungen zu Verfügung:

  • Hygienebauwagen
  • Gemeinschaftsküche
  • Veranstaltungsbühne
  • Kompostklo
  • Werkstattwagen
  • Gästewagen
  • Kleine Gärten
  • Holzlager
  • Kinderspielplatz
  • Sonstiges: Steinofen, Traktor, Wurmkiste, Zisterne als Kühlschrank, Briefkasten

Zur Organisationsstruktur gehört auch ein gemeinsames Konto, von dem Müllgebühren, Pacht, Strom, Wasser, Baukosten und Partys bezahlt werden. Die Gruppe ist als Verein organisiert, der das städtische Grundstück vertraglich pachtet, das vor der Besetzung noch Brachland war.

Wir sind 10 Personen, die unseren Wagenplatz „Diogenes“ bewohnen und beleben. Unsere Jüngsten sind knapp 7 Jahre jung; unsere Ältesten gehen auf die 60 zu. Bei uns gibt es Familien, Paare und Einzelpersonen. Wir wohnen in freier Gemeinschaft miteinander und sind doch Individualisten. Alle gehen einer klassischen Erwerbstätigkeit nach: Krankenschwester, Lehrerinnen, Sozialpädagogen, Steinbildhauerin, Schreinerin und sonstig in der Wirtschaft tätige.

Kontext und Selbstverständnis richten sich nach unserem Verein „schneller wohnen“. Als Gemeinschaft sind wir entschieden politisch, gehören jedoch keiner Partei an. Wir sprechen uns klar gegen Rassismus, Diskriminierung, Sexismus und destruktive Vorgehensweisen aus. Prinzipiell ist für uns der religiöse oder parteipolitische Hintergrund unserer Mitglieder*innen im Besonderen sowie aller Menschen im Allgemeinen nicht relevant; unsere Gemeinsamkeit und Stärke liegen…

  • in der politischen Förderung des Wagenlebens als Lebensform
  • dem ökologischen Umgang mit der Natur
  • in der Verwendung weniger und regenerativer Rohstoffe
  • in der Förderung und Verbreitung von künstlerischen und handwerklichen Aktivitäten als Teil kulturellen Lebens
  • im Durchbrechen der sozialen Vereinzelung durch Zusammenleben in der Gemeinschaft
  • in der Vernetzung von anderen alternativen Wohnprojekten und Vereinen mit ähnlichen Zielsetzungen

Je nach Interesse und Zeit organisier(t)en wir viele attraktive Angebote: Figurentheatertage, Lichtspiel und Kinoabend, Kräuterwanderung, Flohmarkt, Anleitung zum Holzschnitzen, Steinbildhauer-Workshops, Sommerfeste. Auch die große Bühne in der Mitte des Platzes wird für Veranstaltungen genutzt.

Gängige Vorurteile über Wagenplätze, können bei einem Besuch gerne neu überdacht werden. Schulklassen oder KitaKinder können sich bei uns anmelden. Ein Beispiel hier zeigt eine Klasse der Lichtenberg Schule: Ein Besuch auf dem Wagenplatz http://ls.cabacos.de/Schulleben/Politische-Bildung/Aus-dem-Unterricht/E2271.htm

 

Über unsere Grünflächen und Tiere

Ein wirklich schöner und wertvoller Bestandteil von Diogenes sind unsere Grünflächen. Hier finden sehr viele Vögel,  Kleinsäuger, Fuchs und Marder, Insekten,  Eidechsen, Äskulapnattern und andere Tierchen ihre Heimat, und es ist schön,  dass große Teile sich selbst überlassen werden, um diese Biotopeigenschaft erfüllen zu können. Wir pflegen Grünflächen und erhalten den Lebensraum der Tiere, die mit uns leben. Die Vögel möchten wir als schöne Zeichnungen vorstellen (Copyright © Rolf Stallknecht):

 

Die großen Teile der naturbelassenen Flächen machen das gute, erfrischende Klima von Diogenes auch im Sommer aus. Wenn wir weniger Bäume und Grüne Inseln hätten wäre der Platz viel heißer und weniger belebt von Tieren.
BRENNESSELN werden vor allem geliebt von verschiedenen Schmetterlingen,  wie dem Admiral, Kleiner Fuchs und dem Tagpfauenauge. Es ist wichtig und gehört zu unserem Grundsatz, weder Brombeeren,  noch Brennesseln zu stark zu dezimieren – inselhaft auf dem Platz verstreut erfreuen sie nicht nur Smoothieliebhaber, sondern auch vor allem auch diese mittlerweile bedrohten Arten.
BÄUME UND STRÄUCHER sollten da, wo sie wachsen, bleiben dürfen, und möglichst nicht gefällt , sondern werden von uns behutsam zurückgeschnitten.
NISTKÄSTEN werden von uns selbständig gepflegt und vor der neuen Brutsaison geleert. Die Vögel stellen eine große Bereicherung für den Platz dar.
GEPFLANZTE OBSTBÄUME UND STRÄUCHER freuen sich sehr über Mist, Wurmkomposterde und Wasser!  Sie sind ein bisschen wie Haustiere: auf unseren sehr trockenen Sandböden verwahrlosen/sterben sie ohne unsere Pflege.
GRAS /WIESENFLÄCHEN –  früher haben wir mehr mit langem Gras gelebt, das ein paarmal im Sommer mit der Sense gemäht wurde,  zu Zeiten mit kleinen Kindern wurde wegen starkem Zeckenbefallsdruck öfter Rasen gemäht.
EFEU – Hier gehen die Meinungen auseinander,  und verschiedene Förster und Baumpfleger wurden schon befragt: von drohender Gefahr für das Überleben der Bäume,  über wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Vögel bis hin zu energetisch und klimatisch wertvoll reichen hier die verschiedenen Einstellungen.
WÄSSERN /GIESSEN – nach Möglichkeit verwenden wir Regenwasser,  dass wir in Tonnen und Tanks auffangen, in Trockenperioden kann aber natürlich Leitungswasser genutzt werden, um die Pflanzen vor dem Vertrocknen zu retten.
Unsere Wurmkiste
Die Wurmkiste ist in drei Fächer unterteilt und beherbergt ungefähr 2000 Regenwürmer. Sie freuen sich über Futter, sonst wandern sie aus. Man erkennt an der Mulchschicht und den herausragenden Gemüseresten das Fach, das grade befüllt wird: ein Fach liegt meist brach, und eins ist oft ausgeleert. Dabei ist wichtig , wenn ein Fach voll ist, befüllen wir immer ein direkt benachbartes Fach als nächstes, damit die Würmer rüber wandern können. Wenn wir Wurmkomposterde für unsere Pflanzen brauchen nehmen wir welche aus dem Fach mit bereits fertiger Komposterde – erkennt man an guter Krümelstruktur, und sie sollte keine oder kaum noch Würmer beherbergen – falls doch, setzen wir diese beim ernten in das aktive Fach zurück.
Als Wurmfutter eignen sich alle -möglichst biologischen – Gemüseschalen außer Avocados (auch Avocadokerne und andere Nüsse werden nicht gefressen, sondern ziehen Ratten an), alle Obstschalen aus biologischem Anbau, und sonstige rohe Küchenabfälle, Eierschalen zerdrücken und zerbröseln wir.
NICHT in die Kiste (Achtung Ratten!) gehören Gekochtes, Brot, Käse und Fleisch, und auch keine intakten, ganzen Früchte (besonders wenn sie aus konventionellem Anbau und damit oberflächenbehandelt  sind liegen sie über Monate unberührt in der Kiste, die Würmer gehen dort nicht dran). Diese Lebensmittel /-Reste wickeln wir in Papier in die Biotonne.
Die Küchenabfälle verteilen wir nach dem Einfüllen (wichtig!  Die Würmer ziehen sich einzelne Schalen von unten in die Erde, aber trauen sich nicht in Berge von frischer Befüllung, der Kompostierungsvorgang dauert dann sehr viel länger), und bedecken wir mit Erde /Mulch. Wenn gerade kein Mulch vorhanden ist graben wir diese tiefer ein und bedecken diese mit Eichenlaub aus der Umgebung.
Das linke Wurmfach ist größer und wird vor allem im Winter genutzt.  Die Würmer können dort drin sicherer überwintern, ohne zu erfrieren, und im Sommer heizt es aufgrund seiner Größe zu sehr auf, sodass sie einen Hitzetod sterben. Im Sommer werden die zwei kleineren Fächer genutzt.
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